Zwischen Spielrunden tauschen wir Anekdoten aus. Als wäre es gestern gewesen, erinnern wir uns an legendäre Spielenächte, welche Jahre zurückliegen. Organisiert hat sie meistens Sarah. Sarah ist eine hervorragende Gastgeberin. Heute lüfte ich ihr Erfolgsgeheimnis.

Inhaltsverzeichnis:

    Zwei Situationen veranlassen mich dazu, einen Spieleabend zu organisieren. Entweder habe ich einfach Bock zu zocken oder in meinem Regal wartet eine Schachtel darauf, von der Plastikfolie befreit zu werden. Ein Dilemma: Im ersten Fall fehlt das Spiel, im zweiten die passenden Mitspieler.

    Bei Sarah wirkt das immer kinderleicht. Egal wie sich die Truppe zusammensetzt, alle finden den Flow. Wir spielen stundenlang, dennoch fühlt sich alles extrem kurzweilig an. Wenn wir uns auf ein einzelnes Spiel fixieren, ist der Abend trotzdem abwechslungsreich.

    Manchmal spielen Jung & Alt gemeinsam. Alle fühlen sich wohl und es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Sarah ist nicht die beste Spielerin. Sie gewinnt selten. Aber ihre Spielabende sind unübertroffen und das zählt! Nach diesem Beitrag lädst hoffentlich auch du Freunde zum Spielen ein.

    Das Wohlfühlambiente

    Ein Spieleabend lebt von seiner Location. Wer ein eigenes Spielzimmer besitzt, ist ein Glückspilz. Keine Sorge, das Wohnzimmer reicht völlig aus. Hauptsache es ist nicht laut und der Raum ist ausreichend beleuchtet. Wenn sich alle wohlfühlen, hast du alles richtig gemacht!

    Tisch und Stühle

    Für den perfekten Spieleabend benötigst du einen grosszügigen Tisch. Flach und ohne Rillen ist ideal. Ich bevorzuge viereckige Tische gegenüber runden. Vielleicht ist es Geschmacksache. Ich habe aber das Gefühl, dass die meisten Brettspiele bei viereckigen Spielen besser zur Geltung kommen.

    Bequem und gemütlich soll es sein.

    Selbstverständlich benötigst du genügend Stühle für deine Gäste. Diese sollten bequem sein. Ich quäle mich nicht gerne über Stunden auf einem Zweitritt. Unterschätze diesen Aspekt nicht. Sitzen deine Freunde nicht bequem, sind alle anderen Tipps fürn Arsch!

    Licht

    Fehlt es an Licht, lassen sich Texte nicht lesen, Symbole werden verwechselt und Spielfiguren übersehen. Bei meiner Spielrunde ging kürzlich das Licht aus. Nein, kein Stromausfall. Wir spielten im Garten und die Sonne hat schlapp gemacht. Gut geplant war das nicht...

    Für Sarah ist Licht ein Stilmittel. Wenn die Diener Artus die Diener Mordreds entlarven, dunkelt sie bewusst ab. Das düstere Thema von «Avalon» kommt dadurch noch besser zur Geltung. Bei diesem kommunikativen Teamspiel leidet der Spielfluss keineswegs. Die schaurige Atmosphäre ist einzigartig.

    Dekoration

    Übertreibe es bitte nicht mit Tischdeko. Manchmal ist weniger mehr. Viele moderne Brettspiele bestehen aus so vielen Elementen, dass man kaum den Überblick behält. Dekorationen auf dem Tisch machen es nicht einfacher. Deshalb dezent halten oder ganz weglassen.

    Punkten kannst du mit Poster an Wänden. Manchmal erhält man nach Messen Promoartikel der Verlage. Du kannst deine Gäste sicherlich beeindrucken, wenn du riesige Pappfiguren richtig inszenierst. Sarah braucht das allerdings nicht. Sie überzeugt anders.

    Musik

    Bei Gesellschaftsspielen ergötzen sich unsere Augen. Wir tauchen in eine Fantasiewelt ein. Das Tastgefühl wird ebenso bedient. Mit den Händen fühlen wir Karten oder Spielsteine. Die Ohren werden vernachlässigt. Wenn du bei Sarah das Wohnzimmer betrittst, läuft der thematische Soundtrack zum Spiel.

    Kürzlich haben wir «Sea of Clouds» ausprobiert. Der iello Verlag hat einen Trailer dazu. Die Grafiken sind wunderbar, aber achte nur auf den Sound. Stell dir vor, ihr spielt eine Runde und im Hintergrund läuft dezent dieses Lied. Der Spielleiter braucht keine Spannung aufzubauen, sie ist automatisch da.

    Ich bin der Dauerschleifen Typ. Nach achtzig Wiederholungen wechsle ich für gewöhnlich den Song. Den meisten Menschen geht das auf den Sack. Immer das selbe Lied ist langweilig. Melodice ist die Rettung für Spielefreunde. Titel des Spiels eingeben und den passenden Soundtrack geniessen.

    Wahl des Spiels

    Welches Schachtelspiel darf es sein? Das eine perfekte Spiel gibt es nicht. Krasse Kennerspiele zünden mit Neulingen selten. Meine Gedanken zu verschiedenen Spielertypen habe ich bereits niedergeschrieben. Deren Vorlieben driften auseinander. Wähle ausgewogen.

    Welcher Spielertyp bist du? Welcher Spielertyp bist du?
    Stratege, Zerstörer oder Glückspilz - Wer regelmässig mit Freunden oder Verwandten zum Spielen, kennt die verschiedenen Charaktere. Manche...

    Am besten spricht man sich zuvor ab. Ihr müsst nicht alles durchplanen. Spielt ihr fünf Quickies oder ein Monstergame? Die ausgewählten Spiele müssen allen Teilnehmern zusagen. Ich musste einmal den halben Abend Pantomime machen. Ich liebe viele Spielarten, aber das war der Horror. Vermeide solche Situationen.

    Insbesondere wenn ihr euch zum ersten Mal trefft, musst du einen Volltreffer landen. Die Arbeit bereitet bereits genug Mühen, der Zahnarzt genug Schmerzen. Die Leute wollen unterhalten werden. Oder wie die Brettspielgeeks zusammenfassen: Dein Spiel muss besser sein als ein Film.

    Passende Spiele

    Wenn ihr euch nicht für ein konkretes Spiel verabredet habt, benötigst du eine Auswahl. Ich kann berufsbedingt auf hunderte Schachtelspiele zurückgreifen. Sarah hat ca. 30, aber ich denke mit zehn bist du auch schon gut dabei. Wichtig: Bedenke immer die Mitspielerzahl!

    Wir wärmen uns gerne mit einem kurzweiligen Kartenspiel wie «Linko» oder «Bohnanza» auf. Anschliessend widmen wir uns schwerer Kost. Das ist aber reine Geschmackssache. Hauptsache ihr habt Spass. Die folgenden Kriterien von npcoline.de helfen dir, ein passendes Spiel zu finden:

    • Dauer: kurzweilig oder langwierig
    • Typus: kompetitiv oder kooperativ
    • Kommunikation: interaktiv oder nebeneinanderher

    Du brauchst nicht unbedingt ein brandneues Spiel. Aber bitte lass Monopoly und die Spielesammlung mit Eile mit Weile oder Mikado in der Truhe. Sie begeistern selten. Habe den Mut, ein Spiel abzubrechen, wenn der Funken nicht springt. Das ist besser, als sich Stunden zu langweilen.

    Vorbereitung

    Sarah ist als Gastgeberin immer vorbereitet. Bei ihr hat noch nie ein Spielstein oder eine Karte gefehlt. Sie baut das Spiel fast immer vorher auf. Bei Neuheiten weiss Sarah Bescheid. Natürlich studiert sie vor dem Abend die Spielanleitung sorgfältig. Manchmal schaut sie zusätzlich «Let’s Play Videos» auf Youtube.

    Leider ist das bei Spieleabenden nicht immer der Fall. Ich hasse Situationen, wo alle dasitzen und ein Auserkorener liest die Regeln. Der Leser kann sich nicht recht konzentrieren und der Rest ist unruhig bzw. gelangweilt. Gefühlt ist der halbe Abend rum, bevor die Würfel zum ersten mal klirren.

    Mach dir keinen Druck. Du musst nicht das ganze Regelwerk auswendig können. Sarah kann das auch nicht. Aber sie ist immer in der Lage, das Spielprinzip verständlich zu erklären. Alle kennen ihr Ziel und wissen, wie die Züge ablaufen. Wenn Fragen auftauchen, weiss Sarah, wo sie nachschlagen muss.

    Essen und Getränke

    Hungrige Menschen verbreiten schlechte Stimmung. Auch ich bin reizbar, wenn der Magen knurrt. Sorge also dafür, dass deine Gäste satt sind. Bei kürzeren Spielen reichen Knabbersachen oder Dips. Bei ganzen Spielnächten holt euch irgendwann der Heisshunger ein.

    Wenn wir in reinen Männerunden zocken, rufen wir oft den Lieferservice: «Dreimal Kebab und einmal Dürum». Selbstverständlich unterbrechen wir das Spiel. Meistens essen wir erst nach Spielende. Wenn du aber Cocktail Sauce auf deinem Spielmaterial magst, dann dürft ihr gerne nebenher mampfen.

    Zum reinbeissen

    Bei Sarah ist das natürlich anders. Sie hat immer Schinkengipfeli oder was Vergleichbares in der Hinterhand. Tipp: Kauft ein paar tiefgekühlte Margheritas und belegt sie mit eigenen Zutaten. Glaub mir, wenn du deine Pizza selbst mit Mozzarella, Pilzen, Schinken und Peperoni backst, wird sie fantastisch.

    Vergiss die Gertränke nicht. Durstige Spieler sind schlechte Spieler. Ob ihr Alkohol trinkt oder nicht, ist euch überlassen. Während dem Spiel trinken wir meistens Wasser. Die Gläser stellen wir auf den Tisch, sodass wir nie austrocknen. Falls ein Glas umkippt, passiert nicht viel. Die Servietten liegen immer griffbereit.

    Süssgetränke oder Wein gönnen wir uns nur zwischen den Spielrunden. Sarah hat immer kühles Coca-Cola bereit, obwohl sie es selbst gar nicht mag. Ich hoffe, du kennst auch eine Sarah! Tipp: Jeder Teilnehmer bringt etwas Kulinarisches mit. So bleibt nicht alles beim Organisator hängen.

    Das zerstört deinen Spieleabend

    Die offensichtlichen Aspekte habe ich bereits besprochen. Drehen wir den Spiess nun um. Die folgenden drei Situationen solltest du unbedingt verhindern, wenn du deinen Spielabend mit Freunden geniessen willst:

    Stress

    Lade nur Personen ein, die genügend Zeit und Bock haben. Macht bereits vor dem Abend ab, ob ihr vier Stunden oder gar die ganze Nacht spielt. Nichts ist ärgerlicher als gestresste Mitspieler. Mitten im Spiel abhauen, geht gar nicht. Wenn man dabei ist, dann richtig.

    Ablenkung

    Abgelenkte Spieler zerstören den Spielfluss. Es entsteht kein Flow-Zustand. Wie wäre es, wenn du deinem Smartphone ein paar Erholungsstunden spendierst? Bei Sarah deponieren alle ihr Handy ein paar Meter vom Tisch entfernt. Dort befindet sich ein Multistecker, wo jeder laden darf.

    Smartphones gehören weg!

    Der TV bleibt aus! Früher war das Grundregel Nummer 1. Aber die kleinen Biester haben diese zweifelhafte Position übernommen. Wenn die Nationalelf spielt, guckt man da und verzichtet aufs Spielen. Beides gleichzeitig geht nicht.

    Besserwisser

    Es existieren zwei Arten von Besserwissern: der Spieler und der Nichtspieler. In unserer Stammrunde funktioniert das zum Glück gut. Wir nehmen Rücksicht aufeinander und haben (fast) immer eine harmonische Stimmung. Witze und kleine Nicklichkeiten gehören natürlich dazu.

    Wer alles besser weiss, aber nicht mitspielt, kann ich nicht ausstehen. Das sind die Typen, die um den Tisch stolzieren, allen in die Karten blicken und anschliessend kritisieren. Ich bitte solche Besserwisser, Platz zu nehmen. Dann wird es meistens besser. Alternativ dürfen sie in der Küche Sandwiches machen.

    Fazit

    Um einen richtig geilen Spieleabend zu verbringen, braucht man auch etwas Glück. Wer sich aber wie Sarah vorbereitet, ein Wohlfühlambiente schafft und seine Gäste kulinarisch verwöhnt, bleibt immer in bester Erinnerung. Wer sich vorher abspricht, hegt die selben Erwartungen an den Abend. Das hilft.