Keine Zeit, um ein Spiel auszuwählen, aber dennoch der Wunsch einen Volltreffer zu landen? Dann vertrauen Sie dem Spiel des Jahres. Eine unabhängige Jury kürt jährlich in drei Sparten das beste Gesellschaftsspiel.

Die meisten Leser dürften schon einmal vom «Spiel des Jahres» gehört bzw. sein Logo gesehen haben. Es ist mittlerweile die begehrteste Spieleauszeichnung überhaupt - der Oscar der Brett- und Kartenspiele sozusagen.

Der Spielekegel mit dem Lorbeerkranz findet sich auf Packungen in Europa sowie Übersee. Aber was macht den Preis so erfolgreich und wie hilft er Ihnen?

Wie ein Lottogewinn

Hinter dem Spiel des Jahres steckt ein Verein aus Deutschland. 1979 gegründet, verfolgt er den Zweck, moderne Brettspiele salonfähig zu machen. Ende Siebziger kannte der Deutsche hauptsächlich Schach, Halma oder Mühle. Dies wollte man ändern.

Der Verein bestand bei seiner Gründung aus mehreren Journalisten. Bis heute sind die Jurymitglieder unabhängig von Herstellung Vertrieb der Spiele. Dies ist für die Glaubwürdigkeit der Auszeichnung von entscheidender Bedeutung.

Die Mitglieder von Spiel des Jahres e. V. arbeiten ehrenamtlich, dennoch ist der Preisverleiher auf finanzielle Einnahmen angewiesen. Die Öffentlichkeitsarbeit mit Messeständen oder Initiativen wie «Spielend gesund werden» verschlingen Geld. Dieses stammt hauptsächlich von den Preisträgern.

Wie bitte? Kann man sich etwa den Sieg erkaufen? Nein, natürlich nicht! Verlag eines ausgezeichneten Spiels bezahlt für die Verwendung des Signets auf seinen Verpackungen eine Lizenzgebühr. Die Höhe dieser Gebühr hängt von der Anzahl verkauften Spiele ab.

Dies scheint sich für die Spieleverlage zu rentieren. Die meisten Brettspiele mit dem Prädikat «Spiel des Jahres» verkaufen sich über 300 000 Mal! Das ist mehr als das Zehnfache von einem gewöhnlichen Spiel.

Diese Zahlen verdeutlichen die wirtschaftliche Bedeutung der Verleihung. Für die Spielebranche ist das wie ein Lottogewinn. Selbst Aktienkurse dürften Reaktionen zeigen, sofern die Gewinner an der Börse gehandelt werden.

Kategorien - alle guten Dinge sind drei

Der sogenannte Kritikerpreis «Spiel des Jahres» steht im Mittelpunkt der jährlichen Vergabe. Er ist 2001 mit dem «Kinderspiel des Jahres» und 2011 mit dem «Kennerspiel des Jahres» ergänzt worden. Warum benötigt man drei Sparten?

Weil Brett- bzw. Kartenspiele sehr unterschiedliche Zielgruppen anvisieren. Jährlich erscheinen mehrere Hundert Gesellschaftspiele auf dem deutsprachigen Markt. Manche richten sich an Familien mit Kindern, andere an Gelegenheitsspieler und wiederum andere an Freaks.

Es werden immer nur Spiele aus dem laufenden und vorangegangen Kalenderjahr berücksichtig. Die unabhängige Jury ist bei allen drei Preisen unterschiedlich zusammengesetzt und achtet besonders auf folgende vier Kriterien:

  1. Spielidee (Originalität, Spielbarkeit, Spielwert)
  2. Regelgestaltung (Aufbau, Übersichtlichkeit, Verständlichkeit)
  3. Spielmaterial (Funktionalität, Verarbeitung)
  4. Grafik (Karton, Spielplan, Regel)

Spiel des Jahres

Das «Spiel des Jahres» ist nicht nur der älteste Preis, sondern auch der Wichtigste. Er richtet sich hauptsächlich an Gelegenheitsspieler, aber auch Familien werden angesprochen. Damit ist er ein Allrounder und Käufer von prämierten Spielen können eigentlich nichts falschen machen.

Gewinner aus dem Jahr 2016 ist das Partyspiel «Codenames» vom Verlag «Czech Games Edition». Ich spiele Codenames selbst regelmässig zu Hause und bin begeistert. Es ist ein einfaches, lustiges und zugleich kurzweiliges Spiel. Ideal für 4 bis 8 Personen.

In der Vergangenheit wurden Spiele wie «Siedler von Catan» oder «Carcassonne» geehrt. Heute sind dies absolute Klassiker. Die Vorgänger von Codenames finden Sie auf der offiziellen Webseite von Spiel des Jahre e. V.

Kinderspiel des Jahres

Langezeit war die Spielewelt quasi Kindern vorbehalten. Dies war einer der zentralen Gründe, warum der Verein Spiel des Jahres überhaupt gegründet worden ist. Im Fokus standen Erwachsene, die gar nicht oder nur selten spielten.

Dennoch hat man 2001, einen jährlichen Award für Kinderspiele eingeführt. Diese zeichnen sich meistens durch simple Regeln, schöne Symbole und kurze Spielzeiten aus. Als Eltern ist es nicht verboten, mitzuspielen und Spass zu haben.

Ein Kinderspiel bedeutet nicht zwingend, dass Kinder alleine spielen können. Am Anfang müssen meistens die Regeln vorgelesen bzw. erklärt werden. Erst mit der Zeit & Erfahrung wird der Nachwuchs selbstständig.

Bei der Vergabe 2016 lobte die Jury «Stone Age Junior», dass Kinder und Erwachsene auf einer Ebene gemeinsam spielen können. Die Vorgänger von Stone Age Junior finden Sie auf der offiziellen Webseite von Spiel des Jahre e. V.

Kennerspiel des Jahres

Die Einführung dieses Preises war einerseits ein logischer Schritt und anderseits auch nicht. Logisch, weil nun alle Zielgruppen bedient werden. Fraglich, weil Spielefreaks keine Hilfsorientierung benötigen.

Unter einem Kenner versteht der Verein «Menschen, die schon längere Zeit spielen und Erfahrung beim Erlernen neuer Spiele mitbringen». Das ist eine anspruchslose Formulierung eines Kenners. Die Vergabe ist auch dementsprechend, aber das ist keineswegs schlecht.

2016 hat sich das Spiel «Isle of Skye» durchgesetzt. Für ein Kennerspiel ist es einfach zu erlenen, die Spieldauer beträgt ca. 45 Minuten und es ist bereits ab 8 Jahren spielbar. Somit taugt das eigentliche Kennerspiel auch als Familienspiel: Alle Gewinner des Kennerspiels des Jahres.

Spiel des Jahres kaufen

Fazit

Der Verein Spiel des Jahres erledigt einen wichtigen Job in der Spielebranche. Der Award ist weltweit anerkannt und hilft Gelegenheitsspielern schnell ein neues und zugleich tolles Spiel zu finden. Wenn Sie ein «Spiel des Jahres» kaufen, können Sie eigentlich nichts falsch machen!