Spiel der Woche #2: Darwin’s Dice

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In der zweiten Ausgabe der Rubrik «Spiel der Woche» dreht sich alles um «Darwin’s Dice» vom Schweizer Verlag Rule Factory. Das strategische Evolutionsspiel beinhaltet Karten und Würfel. Hä, wie geht das denn?

Ein neues Spiel auszuprobieren, ist wie ein Geschenk auszupacken: Man weiss nie, was einem erwartet. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stellt spielezar.ch jede Woche ein Gesellschaftsspiel ausführlich vor.

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Zugegeben, als Stratege mag ich keine Glücksspiele. Umso skeptischer war ich, als mir Darwin’s Dice zum ersten Mal in die Hände geriet. Ein Kartenspiel mit Würfel... Wie soll das Bitteschön funktionieren? Mein erster Gedanke:

«Hoffentlich ist Fortuna heute auf meiner Seite!»

Der Funke sprang aber bereits während dem Lesen der Spielanleitung über. Darwin’s Dice ist von vier Ostschweizern entwickelt worden und wurde erfolgreich als KickStarter Projekt finanziert. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Punkte zu ergattern. Darwin’s Dice beinhaltet 2 Würfel und 72 Karten:

  • 16 blaue Bärenkarten
  • 16 gelbe Löwenkarten
  • 16 grüne Fuchskarten
  • 16 rote Schlangenkarten

4 x 16 Standardkarten, wobei die Schlange vergiften kann.

Jedes Tier besitzt einen Zahlenwert von 1 bis 8. Diese Standardkarten kommen je zweimal im Spiel vor. Die Karos symbolisieren den Punktewert einer Karte. Um Stiche zu machen, ist der Zahlenwert entscheidend. Am Schluss zählen jedoch die Punkte.

Ein Spiel besteht aus mehreren Runden. Eine Runde setzt sich wiederum aus mehreren Zügen zusammen. Klingt kompliziert, ist aber ziemlich einfach. Jasser werden sich besonders schnell zurechtfinden. Bei vier Personen erhalten alle sechs Karten.

Ein Zug läuft so ab:

  1. Darwin würfelt und bestimmt den Trumpf.
  2. Alle Spieler legen verdeckt eine Karte in die Mitte.
  3. Wer die beste Karte gelegt hat, macht den Stich.

Welche Karte ist am besten? Das hängt von Trumpf, der Evolutionsphase und Spezialkarten ab. Die beiden Würfeln bestimmen den Trumpf. Im nachfolgenden Beispiel ist die Fuchskarte mit dem Zahlenwert 3 Trumpf.

Der Trumpf ist die höchste Karte – sie schlägt alle Standardkarten. Der Farbenwürfel bestimmt zudem den Evolutionsmodus. Das Plus steht für «Kampf» und das Minus für «Flucht». Wir befinden uns also auf der Flucht.

Im Fluchtmodus gewinnt der tiefste Zahlenwert. Eine Eins schlägt eine Zwei. Bei Gleichstand gewinnt das kleinere Tier gegen das Grössere. Flucht entspricht einem «Unge ufe» im Jass.

Im Kampfmodus dreht sich der ganze Mechanismus um. Die höchste Karte macht den Stich und bei Gleichstand besiegt das grössere Tier das Kleinere. Alles in der Übersicht:

Kampf: Bär (Blau) > Löwe (Gelb) > Fuchs (Grün) > Schlange (Rot)

Flucht: Fuchs (Grün) > Löwe (Gelb) > Bär (Blau) > Schlange (Rot)

Warum verliert die Schlange bei jedem Gleichstand? Weil es eine von drei Spezialkarten ist:

Die Schlange kann gegnerische Spieler vergiften. Wenn mit ihr gestochen wird, verliert der Spieler mit der zweitbesten Karte alle bisherigen Stiche der aktuellen Runde. Setzt sich eine Schlange zum richtigen Zeitpunkt durch, stellt sie das Geschehen auf den Kopf.

Die Eule besitzt entweder den Zahlenwert 0 oder 9. Sie ist somit extrem effektiv gegen Standardkarten (1 bis 8). Die Eule mit dem Zahlenwert 9 kann im Kampf nur vom Trumpf besiegt werden. Dasselbe gilt für die 0 im Fluchtmodus.

Ist der Trumpf allmächtig? Nein, der Trumpf fürchtet sich vom Skorpion. Der Skorpion ist die höchste Karte, falls ein Trumpf gespielt wurde. Der Zahlenwert des Skorpions beträgt dagegen 4.5. Die Karte ist also nutzlos, wenn kein Trumpf in der Mitte liegt.

Eine Runde mit vier Spielern besteht aus sechs Stichen. Danach werden die Punkte zusammen gezählt. Erst jetzt sind die Punkte im Trockenen! Eine neue Runde mit sechs Tieren beginnt. Nach drei Runden gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

Das Video erklärt noch einmal die Regeln.

Beurteilung

Darwin’s Dice konnte mich vollends überzeugen – ja richtiggehend begeistern. Trotz Würfeln und Karten bleibt viel Raum für strategische Entscheidungen. Das Spiel ist kurzweilig und die Schlangen sind tolle «Game Changer». Langweilig wirds nie!

Weiterhin gefällt mir das Design von Darwin’s Dice ausserordentlich gut. Die Karten sind wunderbar illustriert und von guter Qualität - auch an den Würfeln gibt es nichts zu meckern. Der Preis ist zwar etwas höher als bei vergleichbaren [link category="241" title="Kartenspielen"], rechtfertigt sich aber durch die Entwicklung in der Schweiz.

Spielcharakter

Komplexität
2
Rascher Spielstart nach etwa 15 Minuten. Zwei Runden genügen, um den Mechanismus aus dem FF zu beherrschen.
Glücksfaktor
3
Relativer hoher Glücksfaktor beim Kartenziehen und Würfeln. Vor allem mit 2 Spielern ist der letzte Stich Glücksache.
Strategie
3
Selbst mit schlechten Karten bietet das Spiel strategische Möglichkeiten.
Kommunikation
1
Kommunikation ist nicht nötig, findet aber automatisch statt.
Hektik
1
Darwin's Dice ist, abgesehen vom Würfeln eine völlig ruhige Angelegenheit.

Welche Kritikpunkte gibt es? Ich finde, dass das Spiel nur mit drei bzw. vier Personen so richtig gut funktioniert. Bei zwei Spielern dominieren die Schlangen für meinen Geschmack zu sehr.

Darwin’s Dice ist ab sechs Jahren freigeben. Das halte ich für sehr optimistisch. Immerhin gehen Sechsjährige noch in den Kindergarten! Ich habe nur mit Erwachsenen gespielt, halte aber ca. acht Jahre für die realistischere Altersempfehlung...

Fazit

Kurzweilig, spannend und trickreich – Darwin’s Dice macht einfach Spass! Ideal für einen gemütlichen Spieleabend mit Gelegenheitsspielern und Kennern.

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