Von den sieben antiken Weltwundern sind einzig die Pyramiden Gizehs übrig geblieben. Höchste Zeit, die anderen wieder aufzubauen! «7 Wonders» ist eine Mischung aus Karten- und Brettspiel. 2011 wurde es als «Kennerspiel des Jahres» ausgezeichnet.

Ein neues Spiel auszuprobieren, ist wie ein Geschenk auszupacken: Man weiss nie, was einem erwartet. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stellt spielezar.ch jede Woche ein Gesellschaftsspiel ausführlich vor. Diese Woche: «7 Wonders»

Anzahl Spieler
2 bis 7
Altersempfehlung
Ab 10 Jahren
Spieldauer
30 Minuten

Spielablauf

Vorneweg: 7 Wonders ist speziell. Beim Einstieg erschlägt einem das Spiel mit unzähligen Karten bzw. Symbolen. Danach besticht der kinderleichte Spielmechanismus.

Ziel des Spiels ist es, in drei Zeitaltern am meisten Siegespunkte zu sammeln. Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines Herrschers und treibt den Bau seines Imperiums voran. Einmal protzt man mit dem Koloss von Rhodos, danach erfreut man sich an den hangenden Gärten von Babylon.

Was haben alle antiken Weltwunder gemeinsam? Richtig, sie mussten mühevoll erschaffen werden. Ein erfolgreiches Reich benötigt Ressourcen, Gelehrte, Gebäude und eine Militärmacht. All dies repräsentieren die sieben Kartentypen:

  1. Rohstoffe (braun)
  2. Manufakturprodukte (grau)
  3. Profanbau (blau)
  4. Forschungsgebäude (grün)
  5. Handelsgebäude (gelb)
  6. Militärische Bauwerke (rot)
  7. Gilden (violett)

Wie baut man sein Imperium auf? Der Spielmechanismus von 7 Wonders ist für ein Kennerspiel trivial und besteht aus drei Schritten:

  1. Pro Zeitalter erhält jeder Spieler sieben Karten auf die Hand. Eine davon wählt man aus.
  2. Die gewählte Karte wir nun ins Spiel gebracht. Dafür hat man drei Möglichkeiten: Stadt erweitern, Weltwunder ausbauen oder Karte verkaufen.
  3. Jetzt werden die übrigen sechs Karten weitegereicht und der Mechanismus beginnt von vorne.

Dieser Vorgang wiederholt sich sechsmal. Die letzte Karte verschwindet automatisch und dabei endet auch ein Zeitalter. Wer eine Karte ablegen will (Stadt erweitern oder Weltwunder ausbauen), muss die nötigen Ressourcen aufbringen.

Diese Ressourcen kann ich mit braunen bzw. grauen Karten selber herstellen. Fehlt mir beispielsweise Lehm, kann ich den aber auch bei einem Nachbarn einkaufen, sofern dieser ihn besitzt.

Das ist aber längstens nicht alles! So bringen manche Handelskarten ebenfalls Ressourcen ein oder senken die Handelskosten mit den Mitspielern. Einige Forschungskarten eröffnen im nächsten Zeitalter sogar kostenlose Bauten.

Ein kleiner Ausschnitt des Spielmaterials.

Antike ohne Krieg geht nicht... Die militärische Stärke sticht am Ende eines Zeitalters. Die Spieler vergleichen ihre Streitkräfte mit denjenigen der Nachbarn. Wer die Oberhand behält, sammelt wichtige Siegespunkte.

Im dritten Zeitalter bereichern Gilden das Spiel. Dafür zieht man keine Rohstoff- respektive Manufakturkarten mehr. Gilden bringen Siegespunkte nach unterschiedlichen Kriterien ein. Beispiel: Mit der «Gilde der Spione» sammelt man Punkte, wenn die Nachbarn eine starke Armee besitzen.

Es gibt einige Möglichkeiten Siegespunkte zu sammeln. So wird man für den Bau von Palästen, Rathäusern oder Universitäten belohnt. Eine Menge Siegpunkte ergattert man, indem man sein Weltwunder vollendet.

Nach drei Zeitaltern und den damit 18 gewählten Karten, endet das Spiel. Jetzt werden die Siegespunkte aus den verschiedenen Bereichen addiert und der Sieger erkoren!

Beurteilung

Für mich ist «7 Wonders» ein Knaller! Was macht dieses Kartenspiel aus? Der Mechanismus ist einfach, die Spielzeit kurz und dennoch trifft man viele strategische Entscheidungen.

Alle Teilnehmer agieren simultan. Wartezeiten gibt es fast keine. Karte auswählen, Karte ablegen und den Rest weitergeben. Zack, Zack, Zack! Im Nu ist ein Zeitalter Geschichte und prächtige Städte stampfen aus dem Boden.

Obwohl jeder sein eigenes Imperium verwaltet, interagiert man mit den beiden Nachbarn. Rohstoffe kaufen, Kriege führen und Karten weiterreichen. Für Liebhaber von strategischen Spielen ist 7 Wonders ein Genuss:

«ständiges Abwägen von wirtschaftlichen, militärischen und taktischen Interessen»

Ich versuche jeweils, strategisch flexibel zu agieren. Nur weil man zuvor mit dem Militär gewonnen hat, verspricht dies in der nächsten Runde nicht automatisch Erfolg. Es ist aussichtsreich, sich im richtigen Moment sich auf einen Bereich zu spezialisieren.

Sieben Weltwunder für max. sieben Spieler.

Ich bevorzuge das Spiel mit drei bis fünf Herrschern. Zu zweit kann man ebenfalls zocken, aber es wird schnell unübersichtlich. In dieser Variante teilen sich beide Spieler eine freie Stadt. Für zwei Personen empfehle ich stattdessen das unabhängige Spiel «7 Wonders Duell».

Je mehr Spieler sich beteiligen, desto höher liegt der Glücksfaktor. Bei drei Spielern erhält man jeden Kartenstapel zweimal. Seine erste Wahl sollte man also vorausblickend treffen. Bei sieben Spieler geht dieser Effekt komplett verloren.

7 Wonders wurde nicht umsonst zum Spiel des Jahres – der Oscar der Spielebranche 2011 gewählt. Der Einstieg ist aufgrund der vielen Karten und Symbolen anspruchsvoll, die Siegespunkte wirken mysteriös. 7 Wonders nur eine Runde zu spielen, macht wenig Sinn.

Mit einer Proberunde lernt man 7 Wonders am schnellsten. Nach einer oder zwei Partien sind die Symbole intus. Die Spielzeit von ca. 30 Minuten ist dann realistisch. Der Wiederspielreiz ist extrem hoch. Ich möchte immer, gleich wieder loslegen!

Optisch ist das Spiel ein echter Leckerbissen. Die Spielkarten bzw. Flächen sind detailliert gestaltet und verbreiten ein tolles Gefühl. Für weitsichtige Personen könnten manche Symbole allerdings etwas gar klein sein.

Was ist zu bemängeln? Nicht wirklich viel. Einzig das Auszählen der Siegpunkte, verlangt etwas Geduld. Da gehen locker fünf Minuten drauf. Zuvor weiss man meistens nicht, wer gewonnen hat. Nicht selten ist der Sieger überrascht!

Spielcharakter

Komplexität
3
Zu Beginn wirkt 7 Wonders extrem kompliziert und man benötigt für die erste Runde bestimmt eine Stunde. Danach ist es relativ leicht und alles geht Schlag auf Schlag!
Glücksfaktor
2
Glückselemente sind beim Ziehen der Karten vorhanden, sie bleiben aber überschaubar. Der Zufall steigt mit der Spielerzahl an.
Strategie
4
Man zieht bzw. legt nur Karten ab, aber dies hat es in Sich. Soll ich das Beste für mich wählen oder dem Nachbarn eine wichtige Karte wegschnappen?
Kommunikation
2
Kommunikation findet beim Handel statt. Viel Zeit zum Reden bleibt bei diesem schnelllebigen Spiel allerdings nicht.
Hektik
1
Die Karten werden zwar immer wieder weitergereicht, aber Zeit ist kein Faktor. Deshalb bleibt 7 Wonders angenehm ruhig.

Fazit

Ein kurzweiliges Spiel mit wunderbaren Illustrationen, welches unzählige Strategien erlaubt. Vielspieler sollten 7 Wonders unbedingt in ihrer Sammlung besitzen. Gelegenheitsspieler werden ebenfalls glücklich, dürfen sich aber nicht von der Symbolflut abschrecken lassen.