In der dritten Ausgabe der Rubrik «Spiel der Woche» dreht sich alles um den Klassiker «Hase und Igel» von Ravensburger. Das strategische Wettlaufspiel hat 1979 bei der ersten Spiel des Jahres Verleihung triumphiert.

Ein neues Spiel auszuprobieren, ist wie ein Geschenk auszupacken: Man weiss nie, was einem erwartet. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stellt spielezar.ch jede Woche ein Gesellschaftsspiel ausführlich vor. Diese Woche: «Hase und Igel»

Die Fabel mit dem hochnäsigen Hasen und dem tüchtigen Igel ist wohlbekannt. Der britische Spieleautor David Parlett nahm sich diese Geschichte vor über 30 Jahren zu Herzen und erfand das zeitlose [link category="257" title="Brettspiel"] «Hase und Igel».

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Spielablauf

Hase und Igel ist ein Wettlaufspiel. Wer das Ziel als Erster erreicht, gewinnt. So einfach, so gut. Zu beginn erhält jeder Spieler Rüebli. Sie sind die Nahrung des Hasen bzw. Igels. Je mehr Karotten man investiert, desto weiter zieht die eigene Figur.

Der Startvorrat ist mit 68 Karotten bescheiden. Er reicht nicht aus, um schnell ins Ziel zu laufen. Das wäre ja auch langweilig! Im richtigen Moment gilt es, Pausen einzulegen. Neue Kräfte müssen in Form von Rüeblis getankt werden.

Der Fahrmechanismus ist exponentiell. Ein Beispiel: Wer zwei Mal nacheinander fünf Felder fahrt, bezahlt insgesamt 30 Karotten. Wer einmal 1 Feld und anschliessend 9 Felder fährt, blecht 46 Karotten.

Prinzipiell will man vorwärts ziehen, um näher ans Ziel zu gelangen. Rückwärtszüge sind aber ebenso möglich und durchaus sinnvoll. Das Spielfeld besteht aus 64 Feldern, wobei sich fünf verschiedene Feldertypen wiederholen:

  1. Rüeblifelder
  2. Hasenfelder
  3. Zahlenfelder
  4. Salatfelder
  5. Igelfelder

Auf jedem Feld darf sich immer nur ein Spieler befinden. Blockaden sind möglich, aber Konkurrenten dürfen selbstverständlich übersprungen und damit überholt werden.

Hase und Igel ist der Klassiker unter den Wettlaufspielen.

Rüeblifelder

Gelangt ein Spieler auf ein Rüeblifeld passiert erstmals nichts. Erst im nächsten Zug entscheidet der Spieler, ob er 10 Karotten möchte, 10 Karotten abgibt oder einfach weiterzieht. Da man solange auf diesen Feldern bleiben darf, wie man will, sind sie flexibel nutzbar.

 Warum sollte man Karotten freiwillig abgeben, wenn man damit vorwärts ziehen kann?

Das hat mit dem Zieleinlauf zu tun. Nahrungsmittel zu verschwenden, ist eine Sünde. Deshalb ist der erlaubte Möhrenvorrat beschränkt, wenn man ins Ziel hüpfen will. Der erste Spieler darf maximal 10 Karotten übrig haben, der zweite 20 usw.

Hasenfelder

Wer ein Hasenfeld betritt, zieht eine Hasenkarte und führt die entsprechende Aktion aus. Dabei kann es sich um Belohnungen aber auch Strafen handeln. Sie sind die einzige Glückskomponente in diesem Wettrennen. Der Einfluss dieser Felder ist ziemlich gering.

Zahlenfelder

Auf einem Zahlenfeld erhält man Karotten, wenn die Zahl mit der Platzierung übereinstimmt, welche man vor dem nächsten Zug einnimmt. Wer beispielsweise auf den Zahlenwert 3 fährt, wartet bis er wieder dran ist. Liegt dieser Spieler nun tatsächlich an dritter Stelle, erhält er 3 x 10 Karotten.

Diese Felder sind ein wahrer Segen, wenn man zurückliegt. Dabei gilt es immer vorausblickend, die gegnerischen Aktionen miteinzukalkulieren. Werden mich Andere überholen oder werden sogar Rückwärtszüge ausgeführt?

Salatfelder

Zu Beginn erhält jeder Spieler drei Salatkarten. Betritt ein Spieler ein Salatfeld verschlingt sein Tier im nächsten Zug einen Kopfsalat. Das ist zwingend nötig, weil man nicht mit Salatkarten ins Ziel fahren darf. Beim Vermampfen erhält man zudem Karotten abhängig von der aktuellen Platzierung.

Nachdem man einen saftigen Salat verspeist hat, muss man im nächsten Zug weiterziehen. Dennoch sind Salatfelder ideal um Konkurrenten auszubremsen. Hat man keine Salatkarten mehr, darf man erst gar nicht auf ein Salatfeld ziehen.

Igelfelder

Igelfelder dürfen nicht im Vorwärtsgang betreten werden. Sie sind die einzigen Felder, welche man Rückwarts besucht. Warum sollte man dies tun? Der Zug ist kostenlos und man erhält neue Nahrung. Pro Feld, dass man zurückgeht, erhält man 10 Karotten.

Mit Rückwärtsschritten kann ein Salatfeld mehrmals besucht werden. Nicht zu unterschätzen sind die taktischen Möglichkeiten. Zieht ein Konkurrent auf das Zahlenfeld 6 und liegt an letzter Stelle, versalze ich ihm gerne die reichhaltige Suppe mit 60 Karotten, indem ich hinter ihn falle.

Wer als Erster die Ziellinie ohne Salat überquert hat und nicht zu viele Rüebli im petto hat, gewinnt das Spiel. Für die Anderen geht es gleich weiter, bis alle im Ziel sind.

Beurteilung

Hase und Igel ist ein zeitloses Rennspiel. Nicht umsonst hat es die erste Ausgabe von «Spiel des Jahres» gewonnen. Damals war ein Spiel ohne Würfel ein absolutes Novum. Der Name lässt auf ein eher simples Kinder- bzw. Familienspiel schliessen. Dem ist nicht so!

Es ist zwar ein ideales Familienspiel, aber keineswegs trivial. Die strategischen Möglichkeiten sind vielfältig. Versuche ich, das Geschehen von vorne weg zu dominieren oder lasse ich mich zurückfallen und sammle erstmals mächtig Karotten?

Der Glücksfaktor ist sehr beschränkt. Die Hasenkarten sind ausgewogen. Manche helfen, andere schaden. Bei einer Karte setzt man zum Beispiel seinen Karottenbestand genau auf 65. Je nach Karottenstand und Aufenthalt der Spielfigur ist diese Karte positiv oder negativ.

Schlechte Verlierer behaupten manchmal, dass der Startspieler gewinnt, wenn er es richtig anstellt. Das ist völliger Unsinn! Die Chancen sind ausgewogen. Eine klare Gewinnstrategie ist nicht vorhanden. Ich habe mich mehrmals erfolgreich gegen drei Freunden durchgesetzt. Mein Tipp:

«Wer gewinnen will, sollte gegen den Strom schwimmen.»

Versuchen Sie, sich anders zu verhalten wie die Konkurrenz. Preschen die Mitspieler schnell voran, bleiben Sie im Rückraum und sammeln auf den hohen Zahlenfeldern respektive Salatfeldern mächtig Karotten. Später zünden Sie mit Ihrem Vorrat den Turbo und lassen alle stehen.

Leisten sich die Gegner zu Beginn ein taktisches Geplänkel, um viele Karotten zu sammeln, ziehen Sie einfach davon!Wenn man alleine unterwegs ist, kann man die Zahlenfelder besser einschätzen. Zudem hält sich die Konkurrenz immer gegenseitig auf.

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In der Theorie klingt einfach, in der Praxis ist alles etwas komplizierter. Genau deshalb hat mir Hase und Igel so viel Spass bereitet! Übersichtliche Spielregeln und eine angenehme Spielzeit und trotzdem lebt das Spiel von trickreichen Entscheidungen. Insbesondere Kinder lernen, vorauszublicken.

Was tun die Anderen? Wie muss ich meine Karotten (am Ende) einteilen, damit nicht zu viele übrig bleiben? Fahre ich besser 6 und anschliessend 7 Felder oder einmal 12 und dann noch 1 Feld weit?

Spielcharakter

Komplexität
2
Rascher Spielstart nach etwa 20 Minuten. Es benötigt ein Spiel bis alle Zugmechanismen intus sind, kompliziert ist es allerdings nicht.
Glücksfaktor
1
Der Glücksfaktor ist äusserst bescheiden und tritt nur beim Ziehen der Hasenkarten auf.
Strategie
4
Obwohl die Mechanismen nicht allzu kompliziert und die Möglichkeiten überschaubar sind, ist Hase und Igel ein strategischer Leckerbissen.
Kommunikation
1
Kommunikation ist nicht nötig.
Hektik
0
Hase und Igel ist eine völlig ruhige Angelegenheit. Der stille Denker kommt auf seine Rechnung.

Was gibt es zu bemängeln? Eigentlich nichts! Manche Spielertypen wünschten sich eventuell mehr Überraschungseffekte, aber das ist Geschmacksache...

Fazit

Dieser Klassiker sollte in jedem Spieleregal zu finden sein. Hase und Igel ist nicht nur eine nette Geschichte, sondern auch ein hervorragendes Brettspiel. Ein Allrounder für Familien und Gelegenheitsspieler und selbst für Kenner ist es ein trickreiches Rennspiel.