Faszination SPIEL Essen: Warum ich jedes Jahr wiederkomme

Faszination SPIEL Essen: Warum ich jedes Jahr wiederkomme

Seit 2013 reist Ursula jedes Jahr im Oktober aus der Schweiz in die rund 700 Kilometer entfernte deutsche Stadt Essen im Ruhrgebiet, um dort die mittlerweile grösste Besuchermesse für Brettspiele, die «SPIEL Essen», zu besuchen. Wozu diese weite Reise? In einem persönlichen Bericht gibt sie Einblick in ihre Beweggründe.

Die naheliegende, geläufige Vorstellung: an die Spielemesse geht man, um zu spielen. Ich muss gleich zu Beginn mit dieser Vorstellung aufräumen. Natürlich, das Spiel steht im Mittelpunkt, wir kommen auch zum Spielen (dazu später mehr) aber es wäre zu kurz gegriffen. Die Spielemesse besucht man aus vielerlei Gründen. Dies sind meine:

Schauen und staunen

Jedes Jahr werden Neuheiten im vierstelligen Bereich (aktuell: über 1700) angekündigt. All diese Neuheiten sind versammelt an der Messe zu bestaunen. Die Verlage legen sich mächtig ins Zeug, diese ansprechend und originell zu präsentieren. Beispielsweise in Übergrösse, mit Gewinnspiel, oder die Erklärer sind thematisch gekleidet, der Stand passend dekoriert. 

 

Neben den Spielen und Verlagsständen gibts auch eine Tonne Zubehör und Gadgets, welche das Spielerlebnis ausweiten: Auslagen voller verschiedener Würfel, T-Shirts mit coolen Sprüchen, Spielematten in allen Grössen, bunter Schmuck, ausgeklügelte Tisch-Systeme, Meeple-Kissen, Meeple-Socken, Geschirr mit kleinen, getöpferten Spielfiguren, Mittelalter-Verkleidung und Spirituosen, Werkzeug und Farben für Bastler… Es ist in etwa so, wie über einen grossen Märit mit einer Vielfalt an Ständen zu spazieren.

  

Ein Wiedersehen

Nach meinem ersten Messebesuch war ich beeindruckt, aber auch ziemlich erschöpft. Und ich kam zum Schluss, dass es wohl toll war, aber auch genug. Das sei nichts, was ich jedes Jahr erleben muss, meinte ich. Wie wir nun wissen, kam es anders….

Mittlerweile ist es gerade das Wiederkehrende, was mich besonders reizt, das Wiedersehen mit dem grossen, weissen Kasten mit den Fahnen davor, den «Heiligen Hallen» (nicht meine Wortkreation), dem bunten Getümmel im Inneren. Dazu gehört eben auch das eine oder andere bekannte Gesicht anzutreffen, spontan oder auch geplant.

Gemeinsamer Ausflug

 Unser «Klassenreisli», wie ich es gerne nenne, unternehmen wir nun schon seit ein paar Jahren als Gruppe. Wir, das sind mein Partner und ich und ein paar Freunde aus der Schweiz und Deutschland. Gemeinsam planen wir Anreise, Unterkunft und an welchen Tagen wir die Messe besuchen.

Das Abenteuer beginnt schon mit der Anreise (Stichwort Deutsche Bahn 😊), im Zug tauschen wir uns aus, welche Spiele wir auf unserer Wunschliste haben und welche Strategie wir verfolgen, um die Messe zu durchstreifen. Die Vorfreude wächst.

Ankunft bei der Unterkunft: Wir haben das Glück, ein Hotel gefunden zu haben, mit einem grossen «Wohnzimmer». Hier können wir am Abend zusammenkommen, den Tag Revue passieren lassen, einander Tipps geben und vor allem: Spielen!

Auf der Messe selbst sind die Plätze an den Spieltischen rar; und wegen des andauernd hohen Lärmpegels ist es auch nicht wirklich angenehm dort zu spielen. Im Wohnzimmer hingegen ist es sehr gemütlich. Was nicht bedeutet, dass es auch einmal laut werden kann 😉 

Als Gruppe an der Messe

Internationales Flair

Unter den über 900 Ausstellern sind um die 50 Nationen vertreten.

Die präsentesten Aussteller, mit dem grössten Anteil der Verkaufsfläche und mit z.T. mehreren Ständen in den besucherstärksten Hallen sind Asmodee, Kosmos und Pegasus Spiele.

Mir tun es vor allem die kleineren, vielleicht sogar exotisch anmutenden Stände an. Ich erinnere mich an eine indonesische Karten-Reise, koreanisches Cocktail-Mixen, eine russische Hommage an Breaking Bad mit Bienen und Bären, ein polnischer Einhand-Bauernhof, ein finnisches Ballon-Tetris. Da sich diese Stände eher etwas abseits des Besucherstroms befinden, kann man dort prima Spiele ausprobieren und mit den Standbetreibern lässt sich interessant plaudern.

  

«Promis“

Plötzlich huscht neben einem ein Mann mit grünen Haaren durch oder man steht auf einmal neben einem hochgewachsenen, elegant gekleideten Herrn mit Fliege, oder sieht zu wie vor einem ein Pärchen mit Kamera und Mikrofon durch die Menge geht, er filmt, sie kommentiert. Und ich denke mir: «Sie alle, die kenne ich doch von irgendwo her!»

Wer mit offenem Blick übers Gelände geht oder das Programm gut studiert, dem bieten sich zahlreiche Fan-Momente: Ich kann den Entwickler meines Lieblingsspiels treffen, mir von der Illustratorin mit einer Widmung den Innendeckel der Spieleschachtel verzieren lassen oder dem gern geschauten Youtuber abseits des Bildschirms begegnen.

Einkaufen

Die anfangs erwähnten Neuheiten können nicht nur bestaunt, sondern auch käuflich erworben werden. Die Messe verlässt man also nicht mit leeren Händen (aber evtl. leerem Portemonnaie 😉 ).

Nicht wenige Spieler arbeiten regelrechte Listen ab, bewegen sich gezielt übers Messegelände, wissen, wann sie wo anstehen müssen, wo möglich, haben sie Spiele vorbestellt und holen diese ab.

Die gehypten Neuheiten lasse ich lieber aus. Da steht man den halben Tag an und plötzlich heisst es dann «Sold out». In die eine oder andere Schlange reihe ich mich trotzdem immer mal wieder ein: Einige Stände sind von aussen nicht einsehbar. Und ab und zu entdeckt man in diesen Bereichen echte Schnäppchen.

Bei den erwähnten, kleineren Ständen (unter «Internationales Flair») kaufe ich auch gern ein. Verbunden mit dem Erlebnis und der Begegnung sind dies einzigartige Souvenirs. Gerade auch, weil diese Spiele es in der Regel nicht zu uns in die Geschäfte schaffen.

 

Diese Stände zählen zu meinen Favoriten:

 Spielmaterial.de: Hier kann man wunderbar «gänggele». Der Stand bietet eine riesige Auswahl an Spielkomponenten aus Holz oder Plastik, in allen Farben des Regenbogens, alles einzeln und zu einem fairen Preis. Eine tolle Möglichkeit, ein Lieblingsspiel etwas aufzuwerten und Pappmarker durch Holzteile auszutauschen.

Boardgamegeek: Die Plattform/das Nachschlagewerk für Brettspiele aus den USA betreibt schon einige Jahre einen Stand. Hier schaue ich gerne nach speziellen Upgrade-Kits und Mini-Erweiterungen.

 Kickstarter: Ich hoffe, der Stand ist dieses Jahr wieder an der Messe vertreten. Hier gabs nämlich superguten Gratis-Kaffee 😊. Aus der schmucken italienischen Siebträgermaschine, zubereitet von einem professionellen Barista (stilvoll mit Zwirbelschnauz und Hosenträgern).

Die Messe Spiel ist in den vergangenen Jahren zum grossen Business angewachsen: Die Ausstellungsflächen an der Messe werden immer begehrter, es kommen neue Flächen dazu, die Preise steigen. Die hohen Standgebühren werden allerdings zunehmend zum Problem für kleinere Aussteller oder für rein thematische Stände: Solche Angebote verschwinden nach und nach. Was schade ist, da so auch der für die Besucher interessante Mix abnimmt.

Resümee 

Die Faszination der Spielemesse hat mich bei meinem ersten Besuch erst zögerlich, doch dann nachhaltig gepackt.

Wie jedes Jahr freue ich mich auch in diesem Oktober wieder auf die Messe: Auf alles Neue und Überraschende und gleichzeitig auf «the same procedure as every year», die Reise, das Gewusel in den Gängen, den Austausch mit Freunden, die Spielrunden im Hotel.

Tipps für den ersten Besuch 

Anreise

Idealerweise per ÖV. Zugreise ab Basel dauert um die 6 Stunden.

Mit dem Auto ist es auch möglich, jedoch ist die Verkehrs- und Parksituation um die Messe z.T. überlastet und erfordert demnach etwas mehr Geduld.

Unterkunft

Frühzeitig (mind. ein halbes Jahr im Voraus) buchen!

Wegen der hohen Preise in Essen empfiehlt es sich, in umliegende Städte auszuweichen; Gut angebunden an den ÖV: Mülheim an der Ruhr, Bochum, Oberhausen, Duisburg, Gelsenkirchen, Herne 

Tickets

Auch die Messeeintritte sollte man via Spiel-Website unbedingt zeitig buchen. Eine Tageskasse gibt es nicht, die Tickets sind in der Regel im Voraus ausverkauft.

Besuchs-Dauer

Die Messe findet an vier Tagen statt. Es ist möglich, sich an einem einzigen Tag durch alle Hallen zu bewegen und sich einen guten Überblick und Ersteindruck zu verschaffen. Besser sind jedoch zwei Tage oder mehr.

Donnerstag und Samstag sind die geschäftigsten Tage, Freitag und Sonntag ist meist etwas entspannter. 

Outfit

Bequeme Schuhe! Und eher leichte Kleidung: Im Getümmel ist es schnell warm. 

Verpflegung

Die Verpflegungssituation hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, es besteht ein vielfältiges Essen-Angebot. Es schadet aber nicht, eine Trinkflasche und ein paar kleine Snacks zur Stärkung einzupacken.

Die messeeigenen Restaurants sind übrigens kleine Ruheoasen, ideal für Verschnaufpausen. Auch ein kleiner Abstecher aufs Aussengelände, an die frische Luft tut gut. 

Spieletransport

Um Einkäufe zu verstauen, eignet sich, je nach Umfang, ein kleiner Rucksack oder eine Tasche mit breitem Tragegriff. Einige laufen auch mit Rollkoffern oder so Klappwägelchen herum. Die speziellen, kastenförmigen Spiele-Rucksäcke sind jedoch verboten. 

App

Die offizielle App «SPIEL Essen» ist ein nützliches Tool um sich über Spiele, Aussteller und Programm zu informieren. Zudem kann ich meine Favoriten markieren und meinen Weg durch die Hallen planen.

Kommentare willkommen!
  • Warst du auch schon an der Messe? Erzähl uns gern von deinen Erfahrungen und Eindrücken!
  • Planst du dieses Jahr vielleicht deinen ersten Besuch und hast noch Fragen?
  • Oder weisst du schon genau, worauf du dich am meisten freust? Teile es mit uns!

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