Kürzlich lief im TV das emotionale sowie bildgewaltige Meisterwerk «Der mit dem Wolf tanzt». In der selben Woche erhielten wir das Spiel «Natives» von Kosmos. Da konnten wir nicht widerstehen! In Natives lässt jeder Akteur seinen eignen Indianerstamm gedeihen, bis der Winter kommt.

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    Ein neues Spiel auszuprobieren, ist wie ein Geschenk auszupacken: Man weiss nie, was einem erwartet. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stellen wir von spielezar.ch regelmässig Gesellschaftsspiele ausführlich vor. Diese Woche: «Natives»

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    Spielablauf

    Zu Beginn erhält jeder Häuptling sieben Stammesmitglieder. Ziel des Spiels ist es, seinen Stamm auszuweiten und mit reichlich Nahrung zu versorgen. Die Bleichgesichter bedrohen die Stämme nicht, vielmehr herrscht Konkurrenz untereinander.

    Die sieben Stammesmitglieder

    Natives ist ein Draft- bzw. Aufbauspiel. Das heisst man baut sich zuerst einen gewünschten Stamm zusammen und erntet später den Mais. In der Prärie liegen zu Beginn fünf Karten aus. Ein Spielzug läuft folgendermassen ab:

    1. Nachschub: Eine neue Karte in der Prärie aufdecken.
    2. Kundschafter (freiwillig): Weitere Karten in der Prärie aufdecken, abhängig von der Anzahl Kundschafter.
    3. Stammeskarte aktivieren: Karten aus der Prärie nehmen, abhängig von der Anzahl Stammesmitglieder.

    Deine Stammesmitglieder haben dabei unterschiedliche Funktionen. Du musst dich pro Zug immer für eine Aktion entscheiden. Der Älteste wirbt z.B. neue Stammesmitglieder an. Krieger nehmen Indianer aus der Prärie gefangen und Jäger erlegen Bisons.

    So könnte die Prärie aussehen

    «Murmelnder Bach» ist ein Indianer, den man mit der «Ältesten» Funktion in seinen Stamm holen kann. Anschliessend entscheidet man sich, welche Funktion Murmelnder Bach übernehmen soll. Man legt in dann z.B. unter dem «Farmer» ab.

    Das nächste Mal darf man, wenn es die Prärie hergibt, gleich zwei Mais aus der Prärie holen, da man nun zwei Farmer besitzt. Nahrung und Totems werden immer oben angelegt.

    Punkte & Spielende

    Unten im Nachziehstapel der Prärie befindet sich die «Es ist Winter» Karte. Sie läutet das Ende des Spiels ein. Es wird noch die laufende Runde fertig gespielt und dann wird abgerechnet.

    Punkte gibt es für Stammesmitglieder der eigenen Farbe. Hat man sich Indianer von anderen Stämmen in die eigenen Reihen geholt – weil keine eigenen zur Verfügung standen – gibt das Abzug. Viele Punkte gibt es für Nahrung, besonders für die zarten Bisons.

    Weitere Punkte sammelt man mit Totems und Gefangenen. Der Häuptling mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

    Beurteilung

    «Der mit dem Wolf tanzt» gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Da musste ich «Natives» einfach ausprobieren. Das [link category="241" title="Kartenspiel"] wurde von mehreren russischen Autoren entwickelt und vermochte mich zu überzeugen. Es gibt allerdings einen Haken, den man beheben muss.

    Grundsätzlich richtet sich Natives an den Gelegenheitsspieler. Das Spiel enthält bereits drei Erweiterungen (Rituale, Jahreszeiten und Aufruhr in der Prärie). Das hat einen klaren Vorteil: Einsteiger können die Grundversion schnell erlenen und danach die Komplexität steigern.

    Das Spielgefühl ist angenehm flüssig und dennoch ist taktische Tiefe mit im Spiel. Hole ich mir neue Stammesmitglieder oder sammle ich Nahrung bzw. Totems? Das gilt es immer abzuwägen. Wir haben das Spiel in einer Viererrunde ausprobiert. Es soll aber auch zu zweit oder zu dritt gut funktionieren.

    Ein Problem hat Natives aber. Die Karte «Totem des Zorns» ist zu stark. Von verschiedenen Rezensenten wird empfohlen die Karte abzuschwächen oder ganz aus dem Spiel zu nehmen. Ich kann mich dem anschliessen. In der russischen Originaledition ist dieses Totem gar nicht vorhanden...

    Ich weiss nicht, weshalb [link manufacturer="68" title="Kosmos"] diese Karte überhaupt integriert hat. Sonst kann ich den Verlag nur loben. Selten erhält man so viel Spiel für so wenig Geld. Das Design ist minimalistisch, aber sehr praxistauglich. Mir gefällt es!

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    Die Indianernamen auf den Stammeskarten verleihen zusätzlichen Charme. «Wilder Wind», «Schiefer Schnabel» oder «Brauner Zweig» klingt doch einfach cool oder? Eines sei noch erwähnt: Natives eignet sich nicht für unterwegs. Man braucht einen Tisch mit grosszügiger Auslagefläche.

    Spielcharakter

    Komplexität
    2
    Ein zugängliches Kartenspiel für Gelegenheitsspieler. Für Kinder ab ca. zehn Jahren ebenfalls geeignet.
    Glücksfaktor
    2.5
    Vor allem in der Grundversion ist auch einiges Glück gefordert. Es ist deutlich einfacher, wenn am Anfang Indianer vom eigenen Stamm in der Prärie liegen.
    Strategie
    2.5
    Auf welche Stammfunktionen konzentriere ich mich? Am Anfang würde ich immer zwei bis drei Älteste in den Stamm integrieren.
    Kommunikation
    2
    Ein indianisches Sprichwort lautet: «Es ist besser, weniger Donner im Munde zu führen und mehr Blitz in der Hand.» Das passt zu Natives, da nicht viel kommuniziert wird.
    Hektik
    1
    Ein angenehm ruhiges Spiel.

    Fazit

    Natives ist ein tolles Kartenspiel für Gelegenheitsspieler. Insbesondere für Leute, die das Indianerthema mögen ist Natives sehr zu empfehlen. Wer im Hintergrund den Soundtrack von «Der mit dem Wolf tanzt» laufen lässt, verbringt wunderschöne Spielstunden.