Smartphone hier Virtual-Reality-Brillen da, die digitale Revolution hat Fahrt aufgenommen. Naht das Ende von Gesellschaftsspielen? Auf keinen Fall! Der gemeinsame Spieleabend ist wichtiger denn je.

Zugegeben neue Technologien sind reizvoll. Brille aufsetzen und mitten im Geschehen sein oder Handy aus der Hosentasche ziehen und sofort mit Leuten auf der ganzen Welt loszocken. Dagegen wirken Gesellschaftsspiele altmodisch. Würde man meinen...

Spielnachmittage sind in Schweizer Familien weiterhin üblich und das aus gutem Grund. Ortsgebundenheit oder nicht vorhandene Spezialeffekte tun Gesellschaftsspielen keinen Abbruch, sie entpuppen im Gegenteil sich als Stärken.

Warum spielen wir überhaupt?

«Weil es Spass macht», mag Ihnen auf der Zunge brennen. Natürlich das der Hauptgrund, aber zum Spielphänomen gehört mehr. Brett- oder Kartenspiele erfüllen keinen besonderen Zweck. Wir benötigen sie nicht zum Überleben und wirtschaftlich betrachtet, strotzen sie nicht vor Effizienz.

Das bedeutet aber nicht, dass Spielen sinnlos ist. Dagegen spricht alleine schon die tiefe Verankerung in unsere Kultur. Die Römer veranstalteten sogenannte Gladiatorenspiele und die Vorläufer von Klassikern wie Mikado, Schach oder Dame reichen teilweise bis in die Antike zurück.

Unser Spieltrieb ist auch evolutionär bedingt. Wenn Jungtiere spielen, eignen sie sich damit Fähigkeiten an, die sie später zum Überleben benötigen. Beim Menschen kann man zumindest beobachten, dass Kleinkinder von sich aus zu Spielen beginnen. Motivation oder gar Zwang ist nicht nötig.

Wahrscheinlich hat jedes Individuum gerne zu spielen oder eben nicht. Brettspiele versetzen mich in einem «Flowzustand». Ein schwer zu beschreibendes Phänomen, in welchem Zeit bzw. Alltag komplett vergessen geht. Das Spiel nimmt seinen Verlauf und egal ob ich gewinne oder verliere: Ich fühle mich unbeschwert.

Im Hier und Jetzt versunken, tauche ich in die realitätsferne Spielwelt mit aufregenden Rollen ein. Manchmal bin ich Monopoly Millionär, dann auf der Flucht in Scotland Yard und zuweilen werden mir die Gänse beim Kuhhandel abgeluchst.

Was Kindern leicht fällt, haben viele Erwachsene verlernt: unbeschwert zu spielen. Dieser Prozess beginnt mit der Einschulung. Spielen gilt als Gegenteil von Arbeit, denn Spielen macht Spass, Arbeiten nicht. Dennoch sollten auch Erwachsene regelmässig zu Würfeln oder Karten greifen.

Welchen Nutzen ziehen wir aus Gesellschaftsspielen?

Sich zu vergnügen und in realitätsfremde Rollen zu schlüpfen ist zwar nett, aber Gesellschaftsspiele bieten noch andere Vorteile. Weil wir freiwillig spielen, nehmen wir diese Faktoren nicht (immer) bewusst wahr. Müsste man jemanden zum Spielen zwingen, würde er kaum Nutzen daraus ziehen. Aber von welchem Nutzen spreche ich eigentlich?

Regeln sind nicht da, um gebrochen zu werden

Ein erfolgreiches Gesellschaft basiert auf einem funktionierenden Rechtssystem. Dafür müssen Regeln befolgt werden, ob sie einem passen oder nicht. Der Engländer pflegt zwar zu sagen, dass Regeln nur für Dummköpfe sind, aber das entspricht nicht der Wahrheit.

«rules are for fools»

Mit Brettspielen lernt man am einfachsten, sich an Regeln zu halten. Falls Sie eine bessere Alternative kennen, bitte in den Kommentaren ergänzen. Besonders für Kinder sind Gesellschaftsspiele eine Lebensschule, die sie auf das Zusammenleben mit anderen Menschen vorbereitet.

Gemeinsam sind wir stark

Mit regelmässigen Spielnachmittagen stärken Sie den Zusammenhalt der Familie. Gemeinsam am Tisch zu sitzen, Strategien zu entwickeln und über Spielereignisse zu lachen. All dies schweisst zusammen.

Die direkte Kommunikation erlebt nicht gerade ein Hoch. Wir stolzieren oft mit Kopfhörern durch die Gegend oder starren auf das Smartphone, als würde die Umwelt nicht existieren. Spannende Diskussionen können so gar nicht mehr entstehen - bei Gesellschaftsspielen schon.

Friede, Freude, Honigkuchen? Nein, es dürfen auch mal die Fetzen fliegen. Das gehört dazu. Konflikte entstehen und werden beseitigt. Das macht eine starke Familie oder Freundschaft aus. Ich empfehle Spiele, die in Teams gespielt werden. Wichtig: regelmässig die Teams neu auslosen.

In der Niederlage zeigt sich wahre Grösse

Wahrscheinlich denken Sie bei der Überschrift gleich an Kinder. Ja, die Verlieren gar nicht gerne. Ich und die meisten anderen Erwachsenen aber auch nicht. Dennoch müssen wir uns als faire Verlierer zeigen. Gelingt uns das, werden wir auch im Leben mit Rückschlägen und Enttäuschungen besser zurechtkommen.

Mit Gesellschaftsspielen werden weitere soziale Kompetenzen gefördert:

  • Respektvoll zu gewinnen
  • Sich in die Lage der Mitspieler hineinzuversetzen
  • Sich kooperativ zu verhalten
  • Sich an neue Situationen anzupassen

Forschungen zeigen, dass Spieldefizit ein Auslöser für Aggressionen sein kann. Bei jedem Spiel werden wir gewissen Impulsen ausgesetzt. Unsere Gefühle werden auf die Probe gestellt und wir entwickeln die nötige Flexibilität, um uns in schwierigen Lebensituationen zurechtzufinden.

Herkules am Scheideweg

Im Leben gelangen wir immer wieder an wichtige «Weggabelungen». Entscheidungen müssen getroffen werden, auch wenn wir deren Konsequenzen nicht genau kennen. Wir fühlen uns wie Herkules am Scheideweg und wissen nicht, in welche Richtung es gehen soll.

Viele Menschen haben Probleme mit der Entscheidungsfindung. Wir haben Angst davor, das Falsche zu tun. Wer oft spielt, ist klar im Vorteil. In jedem Gesellschaftsspielen müssen ständig Entscheidungen getroffen werden.

Wie im echten Leben werden sich manche als erfolgreich und andere als falsch herausstellen. In Spielen lernt man ausserdem, flexibel zu reagieren. Vielleicht war die getroffene Entscheidung im Nachhinein nicht ideal, aber noch gibt es Möglichkeiten das Ruder rum zu reissen.

Vor- und Nachteile abzuwägen ist wichtig, genauso wie Entscheidungen nicht zu lange aufzuschieben. Sonst ist plötzlich eine der Alternativen weg und damit auch die Chance überhaupt entscheiden zu können.

Wenn Oma den Enkel abzockt

Grosseltern fällt es im Vorschulalter noch relativ leicht, Zeit mit den Enkelkindern zu verbringen. Man unternimmt Spaziergänge, besucht den Zoo oder unterstützt die örtliche Gelateria. Diese genrationenübergreifende Beziehung wird mit den Jahren komplizierter.

Die Kinder kommen in die Schule, haben andere Interessen und werden generell anspruchsvoller. Die Grosseltern werden älter und für actionreiche Ausflüge fehlt meistens die Kraft. Geschichten zu erzählen ist spannend, aber mit der Zeit verlieren die Kinder das Interesse.

Familienspiele oder klassische Brettspiele zeigen sich in der Praxis als ideales Bindeglied. Der Opa kann seinen Enkeln zum Beispiel das Schachspielen lehren. Die Kinder wiederum zeigen Oma wie Uno funktioniert.

Wer gewinnt, spielt keine Rolle. Oma lässt die Kleinen eh meistens gewinnen, auch wenn Sie eigentlich eine gewiefte Zockerin ist. Vielmehr steht die gemeinsame Zeit im Vordergrund, die mit dem obligaten Dessert ihr Highlight findet.

Gesellschaftsspiele kaufen

Fazit

Es ist faszinierend, welch tiefe Wirkung Brettspiele mit so geringer Ausstattung haben. Nicht umsonst kommen jährlich mehrere hunderte Gesellschaftsspiele auf den Markt. Beim freiwilligen Spielen geraten wir in den Flowzustand, den man unter Zwang nie erreichen würde.

Das Gesellschaftspiel lebt und ist wichtiger denn je. Wir vergnügen uns gemeinsam mit Familie, Freunden oder Bekannten. Tauchen in fremde Welten ein, ohne dabei den Sinn zur Realität zu verlieren.