Stadtpark, Hofburg, Burgtheater oder Schloss Schönbrunn – Wien hat viel zu bieten. Beim Brettspiel «Vienna» vom Schmidt Verlag besucht man als junger Lebemann Sehenswürdigkeiten und kämpft um einen Platz in der High Society.

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    Ein neues Spiel auszuprobieren, ist wie ein Geschenk auszupacken: Man weiss nie, was einem erwartet. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stellt spielezar.ch jede Woche ein Gesellschaftsspiel ausführlich vor. Diese Woche: «Vienna»

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    Spielablauf

    Bei Vienna entscheidet man zuerst, ob die Tag- oder Nachtversion genutzt wird. Der Mechanismus ist identisch, nur die Optik und damit das Feeling ist anders. Der Lebemann, der zuletzt in Wien war, erhält die Startspielerkarte.

    Jeder Spieler vertritt eine Farbe, nimmt die entsprechenden vier Würfel, den Punktemarker und wählt eine Startkarte. Ziel des Spiels ist es, am meisten Siegpunkte zu sammeln. Ein Spiel dauert mehrere Würfelrunden.

    In einer Würfelrunde setzen alle Spieler ihre Würfel auf Sehenswürdigkeiten. Anschliessend wird ausgewertet. Dabei fährt man in einer Kutsche der glamourösen Strasse entlang. Wer zurückfährt, bezahlt Extra. Die Hotspots sind mit Nummern versehen:

    Spielfläche für Vienna bei Nacht

    Möchte ein Spieler auf die Universität, werden fünf oder sechs Würfelaugen fällig. Man darf pro Feld einen oder zwei Würfel einsetzen. Diese Attraktion bleibt den anderen Lebemännern in dieser Würfelrunde verwehrt.

    Nachdem alle Würfel gesetzt wurden, erfolgt die Auswertung aufsteigend den Gebäudenummern entlang. Es sei denn, das Aktionsfeld ist mit einem Blitz gekennzeichnet - diese kommen sofort zum Tragen. Nach der Auswertung folgt die nächste Würfelrunde.

    Was machen die Aktionsfelder und wie sammelt man Siegpunkt? Vienna beinhaltet vier verschiedene Hauptelemente:

    1. Münzen
    2. Personenkarten
    3. Sonderkarten
    4. Siegpunkte

    Münzen

    Auf manchen Feldern erhalten wir Münzen, welche wir auf Anderen wir ausgeben. Bei der Hofburg lassen sich zum Beispiel drei Münzen in fünf Siegpunkte tauschen. Ist man mit seinem Würfelwurf nicht zufrieden, darf man sein Glück gegen eine Münze erneut versuchen.

    Die Augenzahl eines Würfels kann zudem um eins erhöht respektive reduziert werden, wenn man eine Münze investiert. Münzen sind sehr nützlich, um auf ein Zielfeld zu gelangen. Man sollte aber nicht zu viele ansammeln - sie können einem geklaut werden.

    Personenkarten

    In den Cafés von Wien werden Kontakte geknüpft, die einem Einfluss und Macht verleihen. Im [link category="257" title="Brettspiel"] wird in den Sparten Bürgertrum, Kirche und Adel abgerechnet:

    Personenkarten in Vienna (Quelle: Spielanleitung)

    Betritt ein aufstrebender Lebemann den Stephansdom, vergleicht er seinen christlichen Einfluss mit dem seines linken bzw. rechten Nachbarn. Überflügelt er beide, erhält vier Siegpunkte und zwei Münzen.

    Das Stephansdom-Feld (Quelle: Spielanleitung)

    Adelige Kontakte sind besonders wertvoll. Wer die meisten Kronen besitzt, sammelt beim Schloss Belvedere sechs Siegpunkte! Der Gendarm bremst gegebenenfalls einen hochnäsigen Adelsmann aus. Wer die Krieau betritt, darf mit dem Gendarm ein Feld für eine Würfelrunde blockieren.

    Sonderkarten

    Sie sind das dynamische Element bei Vienna. Sonderkarten sammelt man normal mit Betreten von Aktionsfeldern. Sie besitzen nützliche Eigenschaften. Hier drei Beispiele:

    • Man wird zum Startspieler der Würfelrunde.
    • Man erhält einen zusätzlichen Würfel.
    • Man darf einen Doppelzug ausführen.

    Sonderkarten wechseln den Besitzer, wenn ein Gegner das entsprechende Feld besucht. Manchmal hat man Glück und niemand interessiert sich für die eigene Sonderkarte. Nicht selten wird sie einem aber weggeschnappt.

    Spielende

    Das Spiel endet, sobald ein Reisender 25 Punkte erzielt hat. Zum Schluss werden nochmals Machtkämpfe ausgetragen. Pro Sieg erhält man einen Siegpunkt. Zudem darf man drei Münzen in einen Siegpunkt tauschen. Wer nun die meisten Punkte besitzt, ist in Wiens High Society angelangt!

    Beurteilung

    Vienna ist ein Familienspiel mit kleinen Elementen, die an Kennerspiele erinnern. Es ist einfach und spielt sich zügig, sofern kein Faultier die Runde ausbremst. Der Ziehmechanismus mit den Würfeln ist elegant, aber keine Neuerfindung (vgl. «Kingsburg»).

    Ähnlich sieht es mit den Machtkämpfen aus, welche nur mit den unmittelbaren Nachbarn stattfinden. Diese Kriegsführung ist aus dem Kassenschlager «7 Wonders» bekannt. Ist die Schwachstelle der Nachbarn identifiziert, entpuppt sich die eigene Strategie als schnörkellos.

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    Das Design von Vienna gefällt mir sehr gut. Die Spielfläche ist detailliert gestaltet, die Symbole selbsterklärend und die Kunststoffwürfel Extraklasse. Nichts gegen Holz, aber diese Würfel klingen wunderbar und fühlen sich auch genau so an.

    Schmidt hat es leider verpasst, dem Brettspiel eine zusätzliche Spielvariante mitzugeben. Denn die Tag- und Nachtspielfläche unterscheiden sich nur optisch. Man hätte andere Symbole nutzen können. Alternativ wäre eine Zweispielervariante auch nett gewesen.

    Insgesamt ist Vienna dennoch ein gelungenes [link category="235" title="Gesellschaftsspiel"]! Neben Familien vergnügen sich Gelegenheitsspieler. Für Kenner sind die strategischen Möglichkeiten zu eingeschränkt. Langfristige Investitionen zahlen sich kaum aus ebenso wie destruktive Pläne.

    Das Spiel macht zu viert oder fünft am meisten Spass. Nur dann kommt der Konfliktmechanismus mit den Nachbarn zu tragen. Unsere Partien waren jeweils bis zum letzten Spielzug umkämpft. Insbesondere Familien mit Kindern schätzen es, wenn es keine abgeschlagenen Spieler gibt.

    Spielcharakter

    Komplexität
    2
    Vienna ist mit der tollen Anleitung schnell erlernt. Freunde steigen innert wenigen Minuten in die Wienreise ein.
    Glücksfaktor
    2.5
    Beim Würfeln spielt das Glück eine Rolle. Die Aktionen der Mitspieler haben zudem grossen Einfluss auf den eigenen Erfolg. Werden mir dauernd Sonderkarten geklaut oder werde ich Opfer des Gendarms?
    Strategie
    2.5
    Gut zu würfeln reicht nicht aus – geschickt zu ziehen, ist ebenso wichtig. Wer mit Vorwärtszügen seine Ziele erreicht, ist im Vorteil.
    Kommunikation
    2
    Die Auswertung einer Würfelrunde inklusive Sonderkarten Wechsel führte bei uns immer wieder zu Diskussionen.
    Hektik
    1
    Es finden keine simultanen Ereignisse statt. Das Spiel ist abgesehen vom Klirren der Würfel ruhig.

    Fazit

    Als Lebemann knüpft man Kontakte, besucht Sehenswürdigkeiten und sammelt Siegpunkte. Diese spielerische Reise durch Wien ist definitiv zu empfehlen! Das kurzweilige Brettspiel richtet sich an Familien- und Gelegenheitsspieler.