In Island wachsen Tomaten? Ja, in Reykholt schon. Den heissen Quellen sei Dank. Das gleichnamige Brettspiel von Uwe Rosenberg ist ein typisches Säen-Ernten Spiel. Eine komplizierte Punkteauswertung gibt es nicht. Wer zuvorderst steht, gewinnt.

Inhaltsverzeichnis:[ Ausblenden ]

    Ein neues Spiel auszuprobieren, ist wie ein Geschenk auszupacken: Man weiss nie, was einem erwartet. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stellen wir von spielezar.ch regelmässig Gesellschaftsspiele ausführlich vor. Diese Woche: «Reykholt»

    [gameinfo product="3036"]

    Spielablauf

    Spiele haben einen netten Nebeneffekt: Man lernt immer wieder Neues dazu. An schönen Sommertagen faulenze ich gerne auf der Terrasse und lausche den Vögeln. Da erinnere mich gerne an die Vogelarten aus [link blog="263" title="Piepmatz"] zurück. Was hat das mit Reykholt zu tun?

    Auch in Reykholt habe ich etwas Überraschendes gelernt: In Island wachsen Tomaten! Die heissen Quellen machen es möglich. Tomaten gehören auch zum Kern des Spiels. Jeder Spieler errichtet sein eignes Gemüseparadies und versucht die Bedürfnisse der Touristen zu befriedigen.

    Das Spielbrett von Reykholt

    Je nach Spieler Anzahl nutzt man die richtige Seite des Brettes. Im Normalmodus dauert Reykholt sieben Runden. Eine Runde besteht aus vier Phasen bzw. Zeiten:

    1. Arbeitszeit

    Jedem Spieler stehen drei Arbeiter-Chips in seiner Farbe zur Verfügung. Der Startspieler setzt seinen Arbeiter auf ein Aktionsfeld, welches er sofort ausführt. Die Aktionen sind relativ leicht verständlich. Zwei einfache Beispiele: «Nimm 1 Gewächshaus» oder «Säe 1 oder 2 Mal aus».

    Apropos Gewächshäuser. Ansäen kann man nur, wenn man die entsprechenden Parzellen besitzt. Diese gibt es in verschiednen Grössen. Auf der Karte sind jeweils alle Gemüsearten abgebildet, die man anpflanzen darf. Allerdings nur eine Sorte pro Gewächshaus:

    In der dreier Parzelle wurden Karotten angepflanzt und in der vierer Pilze.

    Hat ein Spieler seinen ersten Arbeiter gesetzt und die Aktion ausgeführt, folgt der nächste Gemüsebauer. Das wiederholt sich solange, bis alle Akteure ihre drei Arbeiter eingesetzt haben.

    2. Erntezeit

    Wer ernten will, muss zuvor aussäen. Dies geschieht über die bereits beschriebenen Aktionsfelder. Allerdings kann man nur Gemüse aussäen, welches man bereits in seinem Vorrat besitzt. Beim Aussäen legt man z.B. eine Tomate in ein Gewächshaus und füllt die restlichen Plätze mit Tomaten aus dem Vorrat auf.

    In der Erntephase darf man aus jeder angesäten Parzelle ein Gemüse nehmen und in den eigenen Vorrat legen. Natürlich gibt es auch in der Arbeitszeit bereits Funktionen, die dich ernten lassen.

    3. Tourismuszeit

    In Reykholt wollen die Spieler auf der Tourismusleiste am weitesten nach vorne Rücken. Dafür müssen allerdings die Wünsche der Touristen erfüllt werden. Die Tische am Rand des Spielbretts zeigen die Kosten für einen Schritt an. Die Schritte werden immer teurer.

    Pro Zug streicht man allerdings auch eine Prämie ein. Man darf einfach ein beliebiges Feld vorrücken, ohne zu bezahlen. Im Gegenteil: Man erhält sogar die entsprechenden Vorräte aus dem Vorrat.

    4. Heimkehrzeit

    In der Heimkehrzeit nehmen alle Spieler ihre Arbeiter zurück. Das Kapitel (Rundenmarker) wird umgedreht und eine neue Runde beginnt.

    Spielende

    Wurden alle sieben Runden durchgespielt, folgt die Schlussabrechnung. Diese ist bei Reykholt äusserst simpel: Wer zuvorderst auf der Tourismusleiste steht, hat die Partie gewonnen.

    Beurteilung

    Ich habe dieses Jahr angefangen, Tomaten, Birnen und Pfirsiche anzupflanzen. Auch wenn sich in diesem Rosenberg [link category="257" title="Brettspiel"] alles nur um Gemüse dreht, war das eine thematische Einladung.

    Der Autor Uwe Rosenberg dürfte allseits bekannt sein. So wurde zum Beispiel sein Kartenspiel «[link product="1741" title="Bohnanza"]» ein Klassiker. Ebenso seine Brettspiele «[link product="2091" title="Agricola"]» oder «[link product="2970" title="Ein fest für Odin"]». Egal ob für Gelegenheitsspieler oder Experten: Seine Spiele überzeugen immer mit ihrer Eleganz.

    Das ist Rosenberg auch mit Reykholt gelungen. Ich würde es als Kennerspiel einordnen, aber es ist gewiss kein Expertenspiel. Wer sich einen Blick über die verschiedenen Aktionen geschaffen hat, kommt schnell zurecht.

    Reykholt bietet aber eine strategische Tiefe, die doch eine gewisse Spielerfahrung voraussetzt. Sonst ist es kaum möglich, sinnvolle Entscheidungen zu tätigen. Man muss genau vorausschauen, welche Aktionen man in der nächsten Runde verwenden will und wo man seine Prämie einsetzt.

    Servicekarten bringen zusätzliche Würze

    Servicekarten bringen noch zusätzliche Elemente in das Spiel. Sie verändern bzw. verbessern bestimmte Aktionen. So kann man z.B. mit der Wärmepumpe nach dem Aussäen sofort einmal Ernten. Es ist möglich, dass sich zwei Spieler eine Servicekarte teilen.

    Daneben bietet Reykholt einen kleinen Storymodus. Zugegeben: Der Storymodus ist überschaubar, aber dennoch nett gemacht. Für mich ein idealer Einstieg in die grosse weite Welt von Legacyspielen.

    Das Spielmaterial ist von Lukas Siegmon sehr schön illustriert worden. Es scheint sein erstes Werk im Brettspielbereich zu sein. Hut ab! Die Gemüsesteine sind aus Holz und fühlen sich wertig an. Die Spielanleitung von [link manufacturer="84" title="Frosted Games"] ist (für erfahrene Spieler) verständlich geschrieben.

    [list products="3036" type="game"]

    Island Fans muss ich allerdings etwas enttäuschen. Das Spiel trägt zwar den Namen einer kleinen isländischen Ortschaft, aber sonst hat das Spiel wenig mit Island am Hut. Man hatte ein fast identisches Spiel mit dem Namen «Ticino» veröffentlichen können.

    Spielcharakter

    Komplexität
    4
    Reykholt ist kein Expertenspiel. Dennoch ist es zu kompliziert für völlige Anfänger.
    Glücksfaktor
    1
    Der Glücksfaktor ist gering. Manchmal zieht man Parzellen auf gut Glück. Bei vier Spielern kann es entscheidend sein, wer eine Servicekarte nimmt, da man sie nur mit direkten Nachbarn teilen kann.
    Strategie
    4
    Reykholt ist ein strategisches Brettspiel, bei dem man seine Schritte vorausplant. Wer hier richtig optimiert, ist am Ende den entscheidenden Schritt voraus.
    Kommunikation
    2
    Reykholt ist kein besonders interaktives Spiel. In die Quere kommt man sich primär bei der Auswahl der Aktionen, da jede Aktion nur von einem Spieler genutzt werden darf.
    Hektik
    1
    Ein ruhiges Brettspiel, bei dem alles seinen strukturierten Verlauf nimmt.

    Fazit

    Reykholt ist ein strategisches Säen-Ernten Brettspiel. Wer regelmässig spielt, kommt mit den verschiedenen Aktionen, Servicekarten und Storymodus gut zurecht und verbringt spannende Spielstunden.