1999 begeisterte «das grosse Krabbeln» von Pixar die Schweizer Kinobesucher. Ein Kinderfilm über den tollpatschigen und zugleich kühnen Erfinder Flik. Das neue Familienspiel «Micropolis» erinnert mit seinem Cover unweigerlich an diesen Kassenschlager, ist aber trotzdem nicht für kleine Kinder geeignet.

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    Ein neues Spiel auszuprobieren, ist wie ein Geschenk auszupacken: Man weiss nie, was einem erwartet. Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, stellen wir von spielezar.ch regelmässig Gesellschaftsspiele ausführlich vor. Diese Woche: «Micropolis»

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    Spielablauf

    In Micropolis versucht jeder Spieler einen prachtvollen Ameisenbau zu errichten. Gestartet wird dem grauen Fundament und fünf roten Soldatinnen. Micropolis dauert 10 Runden. Ein Spielzug ist äussert simpel.

    Zu Beginn jeder Runde werden sieben Ameisenbau-Plättchen in einer Reihe aufgedeckt. Der Startspieler wählt eines dieser Plättchen aus. Das Erste in der Reihe ist kostenlos. Für jedes übersprungene Plättchen wird hingegen eine Soldatin fällig.

    Bei Micropolis ensteht ein prächtiger Ameisenbau.

    Das genommene Plättchen wird an das Fundament angebaut. Sobald jeder Spieler ein Plättchen angelegt hat, beginnt die nächste Runde. So entsteht über zehn Runden ein komplettes Ameisensystem mit Gängen und Sackgassen.

    Die Akteure wollen dabei möglichst viele Punkte sammeln. Hier beginnt der trickreiche Teil von Micropolis, da man auf verschiedene Arten punkten kann:

    • Möglichst viele Ameisen in den gebauten Gängen.
    • Die grösste rote Armee.
    • Unterschiedliche Früchte in den Gängen.
    • Viele lange Gänge mit genau einer Königin.
    • Baracken gefüllt mit Soldatinnen.

    Dazu erweitern ein paar Spezialistinnen das Ameisenspiel. Wer z.B. eine Architektin ergattert, darf sich einmal ein beliebiges Plättchen schnappen, ohne Soldatinnen abdrücken zu müssen. Mit der Amme schlüpfen neue Soldatinnen usw.

    Spielende

    Nach zehn Runden endet Micropolis. Jeder Spieler hat einen Ameisenhaufen vor sich. Nun beginnt die Punkteauswertung. Wer am meisten Punkte erzielt hat, gewinnt das Spiel.

    Beurteilung

    Micropolis ist ein nettes Familienspiel von Bruno Cathala und Charles Chevallier, dem jedoch die grosse Innovation etwas abgeht. Der Spielmechanismus ist leicht: Plättchen nehmen und anbauen. Trotzdem ist das Spiel nicht für Kinder unter acht Jahren geeignet. Warum?

    Im Prinzip handelt es sich hier um ein Optimierungsspiel mit wenig Interaktion. Jeder Spieler agiert beinahe unabhängig von den anderen Baumeistern. Man baut so, wie man die meisten Punkte erzielt. Mit den unterschiedlichen Kriterien ist das für kleine Kinder recht schwierig.

    Denn es reicht nicht aus, den «schönsten» Haufen mit einem komplett verbunden Gang zu errichten. Die Punkteausbeute ist mit Trade-Offs behaftet. Vor allem am Schluss muss man abwägen, ob es sich lohnt eine zusätzliche Frucht zu nehmen oder doch lieber eine Baracke.

    Das Legespiel erinnerte mich doch recht stark an das bereits rezensierte «[link title="Dam it!" blog="252"]». Obwohl es sich bei Dam it um ein reines Kartenspiel handelt. Beide Spiele sind für sich alleine betrachtet spannend für Familien mit Kindern, aber ich finde man benötigt nicht unbedingt beide.

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    Das Spielmaterial überzeugt. Das Design der Ameisen ist niedlich und erinnert mich an meine Kindheit respektive an das grosse Krabbeln. Die fertigen Ameisenhaufen sehen cool aus. Das Material von Pegasus ist stabil.

    Spielcharakter

    Komplexität
    2
    Ein Familienspiel mit einfachem Zugmechanismus. Die Punkteauswertung ist dagegen vielseitig und deshalb nicht für Kleinkinder geeignet.
    Glücksfaktor
    2
    Wie bei den meisten Familienspielen sind Glückselemente vorhanden, aber die sind bei Micropolis nicht dominant.
    Strategie
    3
    Wie sammelt man möglichst viele Punkte? Ich glaube man sollte in erster Linie einen Ameisenbau mit vielen Früchten anlegen.
    Kommunikation
    2
    Micropolis ist weder besonders kommunikativ noch interaktiv. Jeder Spieler optimiert sein eigenes Gängesystem und achtet nur zweitrangig auf die Gegner.
    Hektik
    1
    In einem echten Ameisenvolk bricht schon mal Hektik aus. Bei Micropolis ist dies nicht der Fall – ein ruhiges angenehmes Legespiel.

    Fazit

    Micropolis ist ein spannendes Familienspiel für Kinder ab acht Jahren. Das Spiel ist schön gestaltet und macht Spass. Der Spielmechanismus ist solide, aber keine besondere Innovation.